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Bibliotheken und ihr Stellenwert heute - Ein Interview zwischen dem Chef der ETH-Bibliothek in Zürich und der NZZ (Blogbeitrag Weg mit den Büchern! erschien am 7.02.2016)   entfachte in unseren Büros eine hitzige Debatte um die Frage, ob Bibliotheken in ihrer jetzigen Form nutzlos geworden sind oder nicht. 

Die Bibliothek - in den vergangenen Jahrhunderten, etwa seit der Erfindung des modernen Buchdrucks durch Gutenberg, in den Köpfen der Menschen angesehen als Tempel des Wissens und der Bildung - soll nun urplötzlich durch eine drastische Entwicklung unseres Informationsempfindens und der Zugangskanäle für solche Informationen zum Aussterben prädestiniert sein. Das Wissen, dass zuvor mit Mühe und Fleiss zusammengetragen, reflektiert und auf Papier gebracht wurde, wird heutzutage mit einem Mausklick veröffentlicht, vervielfältigt und in unterschiedlichste Formen transformiert. Das gedruckte Wort eines Sigmund Freud, das bis vor ein paar Jahrzehnten noch eine gewisse, wenn auch umstrittene, Verbindlichkeit hatte, wird nun so mokant umformuliert und in die sozialen Weiten des Netzes gesprüht, dass Nutzer der jetzigen Generation meinen könnten, er sei seinerzeit Kabarettist gewesen, und nicht etwa Wissenschaftler.

Der Wandel im Informationsmanagement

Wir befinden uns im Bereich der Informationstechnologie im Wandel der Zeit, keine Frage. Unser Informationsbedürfnis verändert sich so rasant, dass kein Buch der Welt mithalten kann. Dementsprechend ist es in der Tat fragwürdig, ob eine Bibliothek als Hort von Büchern, oder modern ausgedrückt „Datenträgern“, mit der Aktualität beispielsweise wissenschaftlicher Blogs oder allgemeiner mit Online-Buchportalen mithalten kann. Auch der Kostenfaktor beim Buchdruck muss hier berücksichtigt werden. E-Books sind sowohl in Produktion als auch im Verkauf kostengünstig, so dass es möglicherweise nur eine Frage der Zeit ist, bis ein Autor sein Buch eher als E-Book verlegen lässt anstatt das hohe kaufmännische Risiko des hundert- oder tausendfachen Exemplardrucks einzugehen. Hier liegt es sicher in der Verantwortung der Bibliotheken, E-Books als digitalisierte Form der Wissensbündelung der breiten Masse anzubieten, um nicht gänzlich als Antiquariat abgetan zu werden. 

Klar, Bücher sind auch im Internet zu kaufen. Bei Amazon hat man das Glück, einen minimalen kostenlosen Vorabeinblick ins Buch zu erhalten, bei dem sich allerdings kaum der Inhalt in seinem Wesen erschliessen lässt, und der Suchende die Eignung des Buches für seine Informationsbedürfnisse nur schwer ermitteln kann. Er muss das Buch kaufen, um dies herausfinden zu können - und anschliessend auf seine Lieferung nach Hause warten.

Was ist mit dem Faktor „Mensch“ und „Kultur“?

Bibliotheken stehen aber auch für Manpower, mit der noch manuell und mit Hilfe der Geisteskraft Bücher in den Bestand genommen und Inhalte durch Lesen statt durch automatische Indexierung geprüft werden. Bibliotheken sind eben nicht nur ein blosser Hort für Bücher - Es steckt Wissen in den Büchern ebenso wie in den BibliothekarInnen, hochqualifizierte Akademiker und Fachpersonen, welche Wissenseinheiten zielgruppenspezifisch, beispielsweise für Journalisten und Wissenschaftler, aufbereiten und damit das Wissen erst zu einer Information mit individuellem Mehrwert transformieren.  Hier entsteht eine Interaktion von Mensch zu Mensch, in der „echte“ Empfehlungen ausgetauscht werden und zielgerichtete Fragen und Feedbackmöglichkeit das Informationsangebot und ihre Nachfrage präzisieren. 

Und letzten Endes sind Bibliotheken doch auch von je her ein Zufluchtsort. Ein Ort, in der das gesprochene Wort und die Hektik in den Hintergrund schleichen und Platz machen für Ruhe, gepaart mit stillem Wissen, das es zu finden gilt. Ein Stück Kultur zeigt sich bei jedem Gang in gigantische Bibliotheksbauten mit warmem, dunkelrotem Interieur, das man assoziiert mit einer Unzahl überdimensionaler Regale voll von Büchern.

Abschliessend ist das Blättern in Büchern ein Vergnügen, dass weder den älteren Generationen genommen, noch den heute heranwachsenden jungen Menschen gänzlich vorenthalten werden soll. Der Wegfall von Bibliotheken würde bedeuten, dass Bücher nicht mehr physisch gegenwärtig, nicht mehr greifbar sind. Ein Charakteristikum des Buches, das Jahrhunderte Jahre alt ist und es nicht verdient, in Vergessenheit zu geraten.


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Kurz-Info
Artikel Name
Bibliotheken
Beschreibung
Macht das Internet Bibliotheken gänzlich überflüssig?
Autor
Hützen + Partner Switzerland