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Vulkan

Er ist ein besessener Schreiber mit ambitionierten Visionen. Besessen ist er von seinem Ziel 10 Bände anspruchsvoller Reiseliteratur zu verfassen: Die „Grips Trips Dekalogie“. 10 Elaborate über ungewöhnliche Reiseziele mit bewährt scharfzüngiger Prosa. Der zweite Titel des Autors „Tre Vulcani“ erweckt die Vorstellung von Eruptionen der literarischen Art und in der Tat wird der Leser nicht enttäuscht. Es sind Anti-Geschichten mit Tiefsinn und jovialer Ironie, Texte zwischen Pathos und Subjektivität - Geisteseruptionen aus der Tiefe eines eidgenössischen Schreiberlings. Es ist ein Buch, das man nicht einfach liest und dann vergisst. Hug’s Reisegeschichten haben das Zeug hervorgeholt und bei geselligen Anlässen rezitiert zu werden, denn sie haben einen unverwechselbaren „Schmunzelfaktor“.

Der mit einem Medienpreis dekorierte Autor versteht sein Publikum zu fesseln und für den ein oder anderen Leser ist es auch die Initialzündung für eine eigene, nicht eben gewöhnliche Reise. So wird Michael Hug ungewollt auch zu einem Verführer, der künftigen Entdeckern neue Inspiration verleiht…


Erhältlich ab November 2015!

Tre Vulcani - Michael Hug

Tre Vulcani
Reisen mit Hirn & Herz
Hützen & Partner Verlag

1. Auflage – 2015
ISBN: 978-3-906189-11-6

€ 29,90 (DE)
€ 
31,90 (AT)
CHF 
36,90

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Leseprobe

Neustart

2012. Eigentlich bin ich ja vor einem Jahr schon neu gestartet. Nur war mir das damals noch nicht so richtig bewusst. Ich habe einfach das getan, wonach mir war, habe gewohnt, wo sie mich gerade aufnahmen, habe gelassen, wonach mir nicht war. Ein Landstreicherleben war das dennoch nicht. Ich liess mich nicht vom Schicksal anschieben, verschieben oder drängen. Nicht äussere Abhängigkeiten oder Umstände haben mich geschoben, sondern mein Drang nach einem selbstbestimmten Leben ohne Rücksicht auf Gepflogenheiten. Erst heute wird mir das bewusst. Jetzt, da ich erneut Wurzeln zu schlagen versuche. Wieder beziehe ich eine Wohnung und es scheint mir, als lasse ich mich nieder und bleibe hier für eine Weile. Diese Weile wird ein wenig länger dauern als die Weilen vorher, meine ich. Und was jetzt auch anders ist, ist, dass ich mir bewusst bin, dass ein neuer Abschnitt beginnt. Aber vielleicht kommt ja in einem Jahr schon wieder alles anders. Die Zukunft zu planen, heisst Gott zum Lachen zu bringen. Nicht nur aus diesem Grund plane ich keine Zukunft. Sie tritt ja eh ein, und ob sie mir dann passt oder nicht, hängt nicht von einer Planung, aber auch nicht vom Schicksal ab. Ein bisschen tun dafür, dass die Zukunft einigermassen passabel eintritt, kann man, also ich, schon, wenn auch gewisse Dinge nicht wirklich beeinflussbar oder vorhersehbar sind. Oder doch? Da hat mir doch mal jemand von Karma erzählt. Alles was mich trifft, ob gut oder schlecht, ist letztlich Karma. Dass meine neue Zukunft zurzeit grad leicht deprimös beginnt, ist wohl Karma und muss ich akzeptieren. Goldapfl hat mich verlassen und zum Abschluss meiner Zeit mit Emil habe ich mir an seiner Deichsel ein blutunterlaufenes Schienbein und einen geschundenen Rücken angeeignet. Alles Karma. Und es wird Winter. Das ist nicht Karma, sondern hat mit der Stellung der Erdkugel zur Sonne zu tun. Es kann jetzt also nur noch besser werden, das Karma. 

Ich wohne jetzt in einem Schloss. Na ja, das ist vielleicht etwas übertrieben. Das Haus, meine neues zuhaus›, hat zwar viele, aber nicht sehr viele Räume und ausserdem schwirren auch nicht Heerscharen von Bediensteten herum. Aber es kommt mir wie ein Schloss vor, weil es gross ist und grosszügig und wenn es meins wäre, würde ich es umgehend als Schloss bezeichnen. Natürlich müsste ich dann mindestens eine Putzfrau haben, denn man kann nicht davon prahlen, dass man in einem Schloss wohnt, aber keine Diener hat. Nun, das Schloss, gute hundert Jahre alt, in dem ich jetzt residiere, im obersten Stock, mit 95 Quadratmetern Wohnfläche, Balkon und freie Sicht auf einen Stausee, ist nur für mich ein Schloss und für alle anderen ein Mehrfamilienhaus. Für Hiesige ist es auch ein ehemaliges Wohnheim (in der Tat haben darin früher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Textilfirma gewohnt, später Asylsuchende), wovon man heute aber nichts mehr sieht, weder innen noch aussen. Eine Burg jedoch ist es nicht, obwohl es Felsenburg heisst und hoch über der Thur thront.

Ich bin zufrieden und schmiede Pläne. Reisepläne. Ausserdem hoffe ich, hier in aller Ruhe nach der nicht so ganz ruhigen, dafür lebendigen Zeit mit Emil (Emil ist ein Zirkuswohnwagen, siehe Band 1 «Mediterranea»), meinen jetzt doch schon vor ziemlich langen Zeiten begonnenen Roman fertig schreiben zu können. Doch kaum bin ich, also wir, eingezogen, kommen zu meinen liebeskummerbedingten Depressionen auch noch währschafte Sorgen mit meiner einzigen mir treu gebliebenen Lebensbegleiterin.